
Gewalt gegen Frauen stellt in Deutschland leider nach wie vor ein großes Problem dar.
Jede vierte Frau seit dem 16. Lebensjahr erlebt körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch einen Partner. Die Statistiken erfassen dabei lediglich einen kleinen Ausschnitt der tatsächlich von Gewalt betroffenen Frauen.
Häusliche Gewalt umfasst allerdings alle Formen der physischen, sexuellen, psychischen, sozialen und emotionalen Gewalt. Diese Gewalt findet in den eigenen vier Wänden statt.
Vom Partner mißhandelt zu werden ist nach wie vor ein Tabuthema, über das Frauen nicht sprechen. Und dann nehmen sie auch keine Hilfe in Anspruch.
Gewalt gegen Frauen ist mit gravierenden gesundheitlichen Folgen verbunden, mit langfristigen psychischen und psychosomatischen Beeinträchtigungen und Behinderungen. Sie beeinträchtigt die wirtschaftliche, psychosoziale und berufliche Situation von Frauen.
Die Kinder gewaltbetroffener Frauen haben die Gewalt als Zeugen direkt erlebt und sind auch oft selbst Opfer direkter Gewalt. In den Familien findet eine Weitervermittlung von Gewalt in die nächsten Generationen statt, die Schädigung der Kinder ist enorm.
Gewalt gegen Frauen in der Familie ist keine Privatangelegenheit, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Diese Aufgabe beinhaltet Intervention und zeitnahe Unterstützung, aber auch Prävention, um die Entstehung und Fortsetzung von Gewalt zu verhindern. Sowohl bei Intervention als auch bei Prävention haben die Frauenhäuser eine zentrale Rolle. Dabei bedeutet Intervention nicht, dass den Betroffenen lediglich ein Dach über dem Kopf zu Verfügung gestellt wird. Frauen und Kinder, die ins Frauenhaus flüchten, die endlich die Kraft finden, ins Frauenhaus zu flüchten, sind in der Regel traumatisiert.
Als erstes wird ihnen natürlich Schutz vor der weiteren Bedrohung und Verfolgung im Frauenhaus geboten. Im Frauenhaus findet jetzt aber auch Beratungs- und therapeutische Arbeit statt, die zum Ziel hat, den Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Ein entscheidendes Moment in dieser Arbeit ist die Parteilichkeit der Mitarbeiterinnen für die Frauen und Kinder. Diese Arbeit wurde im Erdinger Frauenhaus von erfahrenen und geschulten Mitarbeiterinnen mit der Unterstützung von ebenfalls geschulten und erfahrenen Ehrenamtlichen Frauen hervorragend geleistet.
Landrat Bayerstorfer hat nun ohne einen Kreisausschussbeschluss dem SkF gekündigt. Als Begründung wird der Ausstieg Freisings und ein hoher Defizitausgleich genannt. Aus dem oben Beschriebenen ist für uns völlig klar: Das Betreiben eines Frauenhauses gehört zur Daseinsvorsorge wie eine Notaufnahme oder ein Kreisssaal im Erdinger Klinikum.
Auch hier ist der Landkreis Erding bereit für diese Daseinsvorsorge Geld in die Hand zu nehmen – zu Recht. Dabei geht es jetzt beim Frauenhaus um die Summe von jährlich 40.000 €, die unbedingt eingespart werden muss, die in der Ausschreibung auch noch als Ausschlusskriterium festgelegt wurde. Zum Vergleich: In einer Pressekonferenz hat Landrat Bayerstorfer stolz verkündet, dass wir 2017 täglich 50.000 € für unsere Schulen ausgeben.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Da haben wir zugestimmt. Und auch für die Nordumfahrung haben wir natürlich ausreichend Geld in der Kasse! Aber jährlich 40.000 € für Frauen, die von ihren Männern geschlagen und mißhandelt werden, die müssen unbedingt eingespart werden. Gender budgeting wäre da sicher sehr aufschlussreich. Ein Betrag, der völlig willkürlich festgesetzt wurde und auf keiner fachlichen Begründung fusst.
In Sonntagsreden wird immer beschworen, dass Frauen und das soziale Berufe besser bezahlt werden müssen. Beim SkF arbeiten nun Frauen, die aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit und ihres Alters eine gewisse Gehaltsstufe erreicht haben, die gerade auch wegen ihrer Erfahrung und ihres Alters hervorragende Arbeit leisten, und genau hier soll jetzt gespart werden.
Und um diese Einsparung zu erreichen und durchzudrücken haben Sie, Herr Landrat, mit Unterstellungen und Behauptungen agiert, haben Sie Ehrenamtliche beleidigt und versucht uns Kreisrätinnen und Kreisräte zu manipulieren. Sie haben behauptet, andere Frauenhäuser wären günstiger. Sie haben in den Raum gestellt, das SkF würde mit den Spenden nicht korrekt umgehen, Sie haben von vielen Angeboten von Trägern gesprochen, die alle weit unter den Kosten des SkF liegen würden.
Und ich spreche hier von Manipulation der Kreisrätinnen und Kreisräte, weil wir Ehrenamtliche sind, die alle in anderen Berufe arbeiten, die natürlich keine Fachleute für das Thema Frauenhaus sind und Ihnen erstmal glauben, was Sie uns sagen. Nach Recherche stellt sich raus: Vergleichbare Frauenhäuser kosten das gleiche.
Bis heute haben Sie die Diskussion mit uns darüber verweigert. Und eigentlich müssten hier heute auch Vertreterinnen des SkF dabei sein, um auf alle Vorwürfe und Anschuldigungen antworten zu können. Das hat mit der Ausschreibung nämlich überhaupt nichts zu tun, nach den Kriterien der Ausschreibung und der Deckelung auf 120.000€ fällt das SkF auf ihren Wunsch ja raus.
Sie haben behauptet, viele Träger hätten sich bei Ihnen gemeldet und könnten die Arbeit im Frauenhaus locker zu Ihren Bedingungen anbieten, laut Presseberichten bleibt nun mal gerade das BRK übrig. Und ausgerechnet dieser Träger hat überhaupt keinerlei Erfahrung mit der Führung von Frauenhäusern. Wie sollen wir nun angesichts dieser unsinnigen Deckelung auf 120.000€ entscheiden, welcher Träger das bessere Konzept vorlegt?
Wie sollen wir überhaupt Vergleiche anstellen können? Wie soll nun tatsächlich die Wirtschaftlichkeit das entscheidende Kriterium sein und nicht das Schnäppchen? Und hier wird auch klar, wie schnell die Verquickung von Parteipolitik und Verbänden zumindest Fragen aufwirft.