
Zu Gast Dr. Reinhard Kendlbacher und Prof. Dr. Rottmann vom Bürgerverein-Freising (BV) und MdL Markus Ganserer (Schwerpunktthemen: Ökologie und Verkehrspolitik)
Triebwerke haben keine Filter
Ultrafeinstaub an Großflughäfen Aus den modernen Düsentriebwerken treten die Verbrennungsrückstände vorwiegend als Ultrafeinstaub (UFP) aus. Und Düsentriebwerke haben keine Filter. „Wenn Feinstaubpartikel mit einem Fußball verglichen würden, so hätte ein UFP die Größe eines Stecknadelkopfes“ veranschaulichte Dr. Reinhard Kendlbacher vom Bürgerverein Freising (BV) die winzigen Dimensionen. Mit Unterstützung der Stadt Freising kaufte der BV zwei Meßgeräte, die seither mobil, rund um den Erdinger Flughafen, Teilchen zählen. Bis zu 1,3Mio Partikel pro cm³ (!) konnten festgestellt werden und diese Ergebnisse führten zu einer Expertenanhörung im Bayerischen Landtag. Sowohl die Gefährlichkeit der Ultra Feinen Partikel, als auch die vielfache Konzentration bei Flugbetrieb wurden anerkannt.
Trotzdem lehnte die CSU-Mehrheit ein UFP-Monitoring ab.
Dies kann nur wirtschaftliche Gründe haben, denn die Gesundheitsgefährdung wurde in mehreren Studien nachgewiesen, wie Ko-Referent Prof. Oswald Rottmann vom Bürgerverein ausführte. Ein signifikant erhöhtes Krankheitsrisiko ist in der Nähe von Großflughäfen auf der ganzen Welt unumstritten.
Und im Erdinger und Freisinger Land würde die 3. Startbahn einen Emissionsanstieg um ca. 50% bewirken. Aber die beiden Wissenschaftler sind nicht nur engagierte Gegner der Dritten Startbahn. Eine generelle Reduzierung der Flüge – im Besonderen im Kurzstreckenbereich – ist das unbedingte Gebot der Stunde.
Weitere Inhalte des Vortrags und andere interessante Informationen zu dem Thema sind auf der Homepage des BV nachzulesen: http://bv-freising.de
Die Lösung liegt nicht nur unter der Motorhaube – MdL Markus Ganserer wirbt für eine bezahlbare Verkehrswende mit Plan
Nach der Betrachtung der winzigen Ultrafeinstäube weitete der grüne Landtagsabgeordnete Markus Ganserer den Blick auf die alltägliche private Mobilität, die in Deutschland immerhin ein Viertel des CO2-Ausstoßes verursacht. „Der Klimawandel ist keine kommende Bedrohung – er ist schon in vollem Gange und kostet schon jetzt viel Geld. Und die Einhaltung der Klimaziele ist eine überlebenswichtige Menschheitsaufgabe, vor der wir uns nicht verstecken dürfen“.
Die Lösungsansätze der Verkehrspolitik müssen vielfältig sein. „Staus aus Elektroautos bedeuten keinen Fortschritt“. Daher liegt die Lösung nicht nur in der Frage des Antriebs. Grüne Verkehrspolitik will Mobilität ermöglichen und gleichzeitig Lärm, Luftverschmutzung und soziale Ungerechtigkeit minimieren.
Eine Siedlungsplanung ohne „Supermärkte auf der grünen Wiese“ ist genauso wichtig, wie eine Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene.
Die Produktion gleicher Warenmengen benötigt einen immer weiter steigenden Transportaufwand. Auch diese Entwicklung muss von der Politik umgekehrt werden.
Das CSU-geführte Bundesverkehrsministerium hat unter Ramsauer und Dobrindt – entgegen aller Lippenbekenntnisse – vorrangig die Attraktivität der Straße verbessert. Andreas Scheuer lässt schon jetzt erkennen, daß er weiterhin das Wohl der Automobilindustrie vor den Verbraucherschutz und die Gesundheitsvorsorge stellt. Und die Bayerische Staatsregierung bleibt – entgegen rechtlicher Bestimmungen – seit über 10 Jahren die Fortschreibung des Schienennahverkehrsplans schuldig. Und beim bayerischen Gesamtverkehrsplan datiert die aktuell vorliegende Fassung aus dem Jahr 2002!
Das ist das Schlimme: Die Union hat überhaupt keinen Plan. Unkoordiniert wird Geld für einzelne Projekte rausgeworfen, ohne die Frage zu stellen, wie ein funktionierendes, umweltschonendes und sozial gerechtes Verkehrskonzept der Zukunft aussehen könnte.
Eine sehr zentrale Rolle müsse der ÖPNV spielen. Die Verkehrsverbünde müssen so harmonisiert werden, daß wenigstens innerhalb Bayerns ein Ticket für eine Fahrt von A nach B reicht. Die Tarife sollen einfacher, verständlicher und besonders für Jugendliche, Auszubildende und Studierende sehr gut bezahlbar sein. Je benutzerfreundlicher die öffentlichen Verkehrsmittel sind, desto selbstverständlicher wird umgestiegen. Ergänzend verbessern Car-Sharing-Angebote und Mitfahrzentralen das Angebot.
In Städten muss der Ausbau eines sicheren Radnetzes wesentlich beschleunigt werden. Sehr viel mehr unter: http://www.markus-ganserer.de/