
Im September fand in Fürth zum ersten Mal ein gemeinsames Arbeitstreffen zweier LAGs statt: Die LAG Ökologie und die LAG Wirtschaft und Finanzen trafen sich zur Klausur. Themenschwerpunkte waren „Landwirtschaft, Wasserschutz, faires Wirtschaften“. Neben zwei Unternehmerinnen aus einem Kleidungs-Fairhandelsunternehmen und einem Zulieferbetrieb der Autoindustrie, die Aufschlussreiches aus ihrer Berufspraxis zu berichten hatten, wurden wir von unseren Mandatsträger/innen aus Land- und Bundestag (Beate Walter-Rosenheimer, Dieter Janecek, Rosi Steinberger, Martin Stümpfig) mit reichlich Informationen versorgt: vom Zustand der bayerischen Gewässer (alarmierend) über das Positionspapier „Modul Landwirtschaft“ des Grünen Klimaschutzkonzepts (Ziel: 20% Biolandbau bis 2020) bis hin zu Einblicken in die Strategien deutscher Wirtschaftsunternehmen (wo sich beobachten lässt, wie ein bisweilen durchaus vorhandener guter Wille, nachhaltig zu produzieren, vom Wachstumsdogma zunichte gemacht wird).
Viele Diskussionen drehten sich um das Thema Ordnungspolitik. Ohne diese, so die eine Position, gelingen die meisten notwendigen Veränderungen nicht, da sich dem Prinzip Freiwilligkeit zu wenige anschließen (das gilt für Verbraucherinnen wie Unternehmer). Andererseits aber belasten komplexe Regelungen mittelständische und kleine Betriebe oft unverhältnismäßig stark. Ordnungspolitik kann also – so ein Fazit der Debatte – nur dann gerecht und zielführend sein, wenn sie handwerklich gut gemacht ist, d.h. vor allem einfach und unbürokratisch, klar und „hart“ (ohne Ausnahmen und Sonderregelungen).
Andere Schlüsselwörter waren Gerechtigkeit, Ehrlichkeit, Wertschätzung. Was schafft gerechtere Verhältnisse: Steuergeschenke oder mehr Geld in den Sozialsystemen? Wie ressourcenschonend, ökologisch und „fair“ sind Produkte oder Herstellungsprozesse wirklich, was davon erfährt die Verbraucherin überhaupt? Was würde sich ändern, wenn wir unserem Handeln mehr Wertschätzung zugrunde legen würden – am Beispiel Landwirtschaft: Wertschätzung gegenüber den Lebensmitteln selbst, aber auch gegenüber den an ihrer Herstellung und Erarbeitung Beteiligten (Menschen, Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser)?
Deutlich wurde in diesen zwei Tagen: Ökologisches und ökonomisches Handeln müssen zwingend zusammengehen. Das Letztere kann nur auf der Basis des Ersteren gelingen, wenn wir die global drohenden Katastrophen noch abwenden wollen. Vereinzelte sozial- oder umweltfreundliche Maßnahmen in einem ansonsten unverändert ausbeuterischen Wirtschaftssystem werden jedenfalls unsere Probleme nicht lösen.
Von Mitgliederseite wurde der Wunsch an die LAG-Leitungen herangetragen, gemeinsame Veranstaltungen dieser Art häufiger anzubieten. „Wirtschaft“ und „Ökologie“ können und müssen viel voneinander lernen. Und mit Sicherheit gibt es auch noch andere Fachbereiche, die auf diese Weise ihr Wissen und ihre Kräfte bündeln könnten.
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