Gemeinsamer Stammtisch zum Thema Mobilität mit Landratskandidat Hans Schreiner – „Mobilität bringt Menschen zueinander“

Gemeinsamer Stammtisch zum Thema Mobilität mit Landratskandidat Hans Schreiner - „Mobilität bringt Menschen zueinander“

Die Ortsverbände von B‘90/DIE GRÜNEN und SPD luden am vergangenen Mittwoch zum Stammtisch ein, um ihren gemeinsam vorbereiteten Gemeinderatsantrag vorzustellen und zur Diskussion zu stellen. Neben den Referenten Hans Schreiner (Landratskandidat), Horst Weise (Vorsitz ADFC Erding) und Michael Grindmayer (2. Vorsitz Verkehrsclub Deutschland/Ortsverband Erding, Freising, Dachau) moderierten die Vorsitzenden der Ortsverbände Andrea Struck (GRÜNE) und Gertrud Eichinger (SPD) die Veranstaltung. Etwa 20 Gäste waren anwesend – mehr als man eingeplant hatte – und so begann der Abend mit munterem Stühlerücken.

Struck und Eichinger beschrieben in ihrer Einführung die Entstehung des Antrags. So brachte der im Sommer veranstaltete Umweltaktionstag „MOVE“ erste Anregungen. In einer Umfrage der SPD wurde deutlich, dass die Gemeindebürger durchaus an sichereren und bequemeren Alternativen zum privaten PKW interessiert seien.

In folgende Punkte gliedert sich der vorgestellte Antrag. 1. Sicherheit erhöhen. Beispielsweise soll an der Finsinger Schule eine Tempo-30-Zone während der Schulzeiten sowie ein absolutes Halteverbot eingerichtet werden, um den Kindern eine sichere Anfahrt auf Rad, Roller oder zu Fuß zu ermöglichen. Bürgermeister Max Kressierer, der zu den Besuchern des Stammtisches zählte, setze sich gern dafür ein, räumte allerdings Zweifel an der Umsetzbarkeit ein.

Punkt 2: Mehr Rad- und Fußgängerverkehr ermöglichen. Es werden außerdem bauliche Trennungen von Rad- und Fußwegen zur Schule, zu den Kindergärten und den Freizeiteinrichtungen gefordert.

Es soll ein Grundsatzbeschluss gefasst werden zur Teilnahme an der nächsten Ausbaustufe des MVG-Radwegs bzw. zumindest geprüft werden, um die Mobilität von und nach Markt Schwaben, Poing und Ismaning zu erhöhen. An allen öffentlichen Anlagen und Gebäuden sind genügend überdachte und beleuchtete Radstellplätze einzurichten. Weitere Forderungen betreffen unter anderem Ladestationen für E-Bikes, Leih-E-Bikes, Leih-Lastenräder oder die Beteiligung am Ausbau eines Radschnellnetzes.

Punkt 3: ÖPNV. Hier soll es eine Taktung der Busse auf maximal eine Stunde Wartezeit geben, die Kombination aus Bus und Ruftaxi in den Nachtstunden, feste Buslinien nach Markt Schwaben, Poing oder Flughafen sowie eine Verbindung nach Ismaning und Garching (viele Finsinger arbeiten in der Gegend).

Punkt 4: alternative Verkehrsoptionen verbessern. Zum Beispiel Einrichtung einer Mitfahrbank und Ausbau des Carsharings.

Punkt 5: Zukunft planen. Beispielweise mit der Berufung eines Verkehrsbeauftragten, Entwicklung einer Kampagne für die Gemeinde mit dem Ziel Vorreiter zu sein und Bürger für mehr Beteiligung zu begeistern. Es soll eine transparentere Informationsstrategie geben, eine regelmäßige Verkehrsschau und alle zukünftigen Maßnahmen sind barrierefrei zu gestalten, so dass Nutzer von Gehhilfen, Rollatoren und Rollstühlen optimal und sicher am Verkehr teilnehmen können.

Bei der anschließenden Diskussion beschrieb Horst Weise ausführlich, wie in Erding der Radverkehr bislang fast ausschließlich aus Sicht eines Touristenangebotes betrachtet, während die tägliche Mobilität der Bürger*innen eher als Randphänomen gesehen werde.

Michael Grindmayer vom Verkehrsclub Deutschland und Kandidat auf der GRÜNEN Liste für die Kommunalwahl, bemängelte in erster Linie die Sicherheit im Ortsteil Finsing. Es sei nicht möglich, Kinder guten Gewissens aufs Radl zu lassen, geschweigen denn sie allein auf den Schulweg zu schicken. Der Radweg aus Richtung Markt Schwaben mündet auf die Straße noch vor dem Ortseingangsschild auf einer kurvigen, abschüssigen Strecke. „So kann ich meinem Kind den Spaß am Radfahren nicht vermitteln.“ Er machte außerdem seinen generellen Standpunkt deutlich: „Die bestehenden Probleme mit dem immer intensivieren Autoverkehr werden wir nicht lösen, wenn wir immer neue Straßen und Parkmöglichkeiten anbieten. Wir müssen umdenken und schauen, dass Individualfahrten künftig deutlich reduziert werden.“

Hans Schreiner verdeutlichte, sich bei einer erfolgreichen Wahl aktiv für den Ausbau des ÖPNV einzusetzen. Im Moment gehörten die Ortszentren den Autos, das müsse sich ändern. Wir müssten weg vom Vorrecht der Autos hin zur Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer*innen.

Den letzten Diskussionspunkt hatte eine anwesende Rollstuhlfahrerin, die ihre Probleme in der Gemeinde beschrieb. Sie müsse, um zum Beispiel zum Netto-Markt zu kommen, für weniger als 300 m das Auto benutzen, weil es durch das Fehlen von Null-Absenkungen der Bordsteine für sie keine sichere Möglichkeit gäbe zum Einkaufen zu kommen. Sie endete mit einem Appell: „Wenn es im Verkehr sicher und bequem für Rollstuhlfahrer ist, profitieren auch Fahrradfahrer.“

Andrea Struck hatte das Schlusswort. Wichtig sei ihrer Meinung nach, die Bürger*innen immer wieder zu Verbesserungswünschen zu befragen und sie in den Prozess einzubinden. Das Interesse daran sei vorhanden, wie diese Veranstaltung deutlich zeigte.