
zum Leserbrief „Polemisches Geschwurbel“ vom 19. August:
„Wer schon mal mit sogenannten ’Asylkritikern’ diskutiert hat, kennt das allzu gut. Man wird als Gutmensch abgetan. Man solle doch nicht immer gleich die Nazikeule auspacken.
Gutmensch ist übrigens ein Wort, das von den Nationalsozialisten des Dritten Reiches geprägt wurde, um Gegner des NS-Regimes zu verunglimpfen. Interessant finde ich, dass Menschen, die sich in die rechte Ecke gedrängt fühlen, genau dies mit Vokabular der Hitler-Diktatur dementieren wollen.
Im Übrigen übersieht Herr Gaumer, auf dessen Leserbrief ich mich hier beziehe, dass ich ihn mit keiner Silbe als Nazi bezeichnet habe.
Ich finde es wenig hilfreich, sich öffentlich in der Zeitung zu beleidigen. Anstatt sich auf der sachlichen Ebene zu meiner Kritik zu äußern, zieht er es aber vor, mir dümmliche Selbstgerechtigkeit zu unterstellen. Hier sehe ich mich in meiner Ansicht nur bestätigt. Anstatt sachlich über Flucht zu diskutieren, werden platte, populistische Floskeln ausgepackt. Ich werde deshalb darauf verzichten, weiter auf Herrn Gaumer und seine beleidigende Art einzugehen und möchte daran erinnern, worum es eigentlich geht: um Hilfe, Empathie, Offenheit.
Wir leben in einem sehr reichen Bundesland in einer wohlhabenden Bundesrepublik. Bei all den anderen Problemen, die wir zweifellos politisch lösen müssen, haben wir definitiv die Möglichkeiten, diesen Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens zu uns kommen, zu helfen. Wir sollten keine Energie darauf verschwenden, uns mit Vorurteilen gegenseitig von der Bösartigkeit dieser Menschen zu überzeugen. Wer Bedenken hat, hat eine sehr einfache Möglichkeit: Hingehen, hinschauen und hinhören. Anstatt Mauern zu bauen, sollten wir unsere Energie nutzen, diese einzureißen und ein friedliches Miteinander anstreben.
In den vielen Helferkreisen in unserem Landkreis sind immer Leute willkommen, die sich einbringen möchten. Oft ist es schon hilfreich, ein offenes Ohr für die geflüchteten Menschen zu haben und mit ihnen zu reden. Ganz nebenbei baut das auch noch Vorurteile ab. Manchmal ist es so einfach.“
Christoph Sticha
Wartenberg