Hier fehlt die Nächstenliebe

Hier fehlt die Nächstenliebe

Antwort von Christoph Sticha auf einen Leserbrief im Erdinger Anzeiger am 07.08. (Unsinnige Willkommenskultur)

Sie sprechen in Ihrem Leserbrief von ,Wirtschaftsflüchtlingen, Asylbetrügern und Urkundenfälschern‘, Sie sprechen von einem Diktat der ,Flüchtlingsmassen‘. Sie vermitteln in Ihrem Leserbrief den Eindruck, faule Ausländer kämen hier her, um sich durchfüttern zu lassen, die deutschen Sozialkassen zu leeren und sich ein schönes Leben zu machen. Sie unterstellen Flüchtlingen pauschal Kriminalität und unterstellen darüber hinaus der deutschen Politik, sie würde sich von diesen Menschen abstruse Forderungen gefallen lassen. Was für Forderungen das sein sollen verschweigen Sie aber.

Ich kann in Ihrem Kommentar beim besten Willen nicht mehr erkennen, als blinden, rechten Populismus, wie man ihn sonst nur von NPD und Republikanern kennt. Wie kommen Sie auf die Idee, Flüchtlinge würden irgendwelche Forderungen diktieren? Wie kommen Sie zu der Annahme, diese Menschen wären kriminelle Betrüger? Sie haben keinerlei logisches Argument angeführt, geschweige denn eine Quelle für Ihre Behauptungen zitiert. Vielmehr sprechen Sie von einer,unsinnigen Willkommenskultur‘, die suggeriere, ,alle Kriegs- und Armutsprobleme Afrikas in Deutschland‘ lösen zu können. Da haben Sie etwas von Grund auf missverstanden!

Es geht bei der Flüchtlingsthematik nicht darum, Probleme eines anderen Kontinents, von dem Sie pauschalisiert reden, zu lösen. Es geht darum, Menschen zu helfen. Menschen, die aus extremen Verhältnissen unter Einsatz ihres Lebens zu uns kommen und Schutz suchen. Eine Willkommenskultur sollte unser aller selbstverständliche Pflicht sein, um ein freundliches Miteinander in diesem Land zu ermöglichen, basierend auf gegenseitiger Wertschätzung.

Ist es nicht unsere Verpflichtung, als reiches Land, als Christen oder schlichtweg als Menschen, anderen mit Respekt zu begegnen, sie zu achten und Ihnen in dieser schlimmen Lebenslage zur Seite zu stehen? Was spricht denn dagegen? Abgesehen von Ihren populistischen und haltlosen Unterstellungen, mit denen Sie nichts weiter bezwecken, als Hass und rassistische Ressentiments zu bestärken.

Die einzige Gefahr, die derzeit von der gestiegenen Zahl an Flüchtlingen ausgeht, ist die Gewalt von Nazis, die auf Flüchtlinge schießen und ihre Unterkünfte abbrennen. Das sind Terroristen, das sind Verbrecher und (das mag für Sie überraschend kommen) das sind Deutsche. Kommentare wie Ihrer tragen eine Mitschuld an den Ausschreitungen. Sie befördern geistige Brandstiftung, sie unterstützen Vorurteile und sie generieren Hass. Das einzige, was in unserer Gesellschaft fehlt, um die vermeintlichen Probleme mit Flüchtlingen zu lösen, ist eine echte Willkommenskultur. Respekt, Empathie und Offenheit gegenüber Menschen, die Hilfe benötigen. Oder um es mit christlich-abendländischen Worten zu sagen: Nächstenliebe.“

Christoph Sticha

Erding