
Seit knapp 14 Jahren ist es gleichgeschlechtlichen Paaren in Deutschland möglich, eine Lebenspartnerschaft einzugehen. Was sich zunächst nach Gleichstellung und Akzeptanz anhört, offenbart auf den zweiten Blick die noch immer gesetzlich und gesellschaftlich zementierte Herabwürdigung und Ausgrenzung homosexueller Menschen in der Bundesrepublik.
Die eingetragene Lebenspartnerschaft ist noch immer nicht gesetzlich mit der Ehe gleichgestellt. Rund 150 Regelungen in 54 Gesetzen unterscheiden in ihren Rechtsfolgen zwischen Ehe und Lebenspartnerschaft. Neben dem wichtigen Punkt des vollen Adoptionsrechts betrifft dies beispielsweise die Übernahme eines Hofes durch den Lebenspartner, das Sprengstoffgesetz, das Infektionsschutzgesetz, das Bundesvertriebenengesetz, das Strafrecht sowie die gesetzliche Renten- und Unfallversicherung.Auch im gesellschaftlichen Alltag sind homosexuelle Menschen noch weit von völliger Akzeptanz entfernt. „Schwuchtel" ist eine der weitverbreitetsten Beleidigungen unter Kindern und Jugendlichen, Schul- oder Arbeitsplatzwechsel nach einem Coming-Out sind keine Seltenheit und zwei Drittel der homosexuellen Menschen in Deutschland sind regelmäßig, teils massiver Diskriminierung ausgesetzt.Hinzu kommt der Zulauf rechter Parteien, die mit rechtspopulistischen, homophoben Parolen ihr Klientel mobilisieren. In vielen Städten werden Demonstrationen selbsternannter „besorgter Eltern" organisiert, die mit Lügen und Vorurteilen Angst und Hass gegenüber homo-, trans- und intersexuellen Menschen schüren.
Wir wollen eine Gesellschaft, in der alle Menschen friedlich und respektvoll miteinander umgehen. Das Fundament einer solchen Gesellschaft kann nur die Akzeptanz eines jeden Menschen unabhängig von seiner sexuellen Orientierung sein. Der Staat muss hier Vorreiter sein und ein Beispiel gelebter Akzeptanz bieten, anstatt gleichgeschlechtliche Partnerschaften weiterhin zu diskriminieren. Solange sich homosexuelle Menschen für etwas rechtfertigen müssen, was für heterosexuelle ganz normal ist, sind wir noch nicht am Ziel!
Deshalb möchten wir am Samstag, den 16. Mai auf dem Erdinger Schrannenplatz einen Tag vor dem internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie auf diese Missstände aufmerksam machen, die von CDU/CSU und SPD weiterhin nicht angegangen werden. Wir werden ab 11 Uhr zu dem Thema informieren und die Möglichkeit bieten unter dem Motto „Sag Ja!" ein Fotostatement für die Eheöffnung und die völlige Gleichstellung homosexueller Menschen abzugeben. Wir laden alle Interessierten herzlich ein „Ja!" zu sagen, zur Eheöffnung, zu einer echten Akzeptanzkultur und sich mit ihrem Statement fotografieren zu lassen und/oder sich über alles rund ums Thema Homosexualität zu informieren.
Christoph Sticha, Kreisrat und Sprecher der Grünen Jugend im Landkreis Erding