Herbert Maier zum Artikel „Telekom will Stadtwerke ausbremsen“

Herbert Maier zum Artikel „Telekom will Stadtwerke ausbremsen"

Ein Zuschuss von knapp einer Million für den Telekom-Breitbandausbau in Dorfen ist zwar verlockend, dieser ist aber im Vergleich zum Glasfaserausbau durch die Stadtwerke nur zweite Wahl. Die geplante Vectoring Technologie der Telekom sieht aus Kostengründen vor, nur die Kabelverzweiger über Glasfaser neu zu vernetzen, die Verbindungen zum Nutzer würden aber weiterhin mit bestehenden Kupferkabeln bedient. Deren Reichweite ist einige 100m, was in unserer ländlichen Gegend mit oft mehreren Kilometern Kupferleitungen bis zum Kunden in den meisten Fällen weit überschritten wird. D.h. im geförderten Gebiet wird nur der Anwender mit merklich höheren Bandbreiten unterstützt, der nah genug am Kabelverzweiger liegt. Auch das Missverhältnis zwischen hohen Downloadraten und niedrigem Upload ist vielleicht für private Nutzer geeignet, nicht aber für Gewerbetreibende, die Ihre Kunden mit entsprechenden Datenmengen bedienen müssen.

Vectoring ist ein letzter Versuch bestehende Kupfernetze für die Breitbandversorgung auszureizen, der nur wenige Jahre Bestand haben wird, also letztendlich Geldverschwendung ist. Durch diese Förderpolitik zählt Deutschland mittlerweile nicht einmal mehr zu den 22 europäischen Ländern, die es auf einen Anteil von mehr als 1% an leistungsfähigen Glasfaser Daten-Anschlüssen zum Endkunden bringen.

Was in der Breitband-Diskussion aber meistens völlig außer Acht gelassen wird, ist der Umbau unserer Stromnetze zu sog. Smart-Grids, bei denen die lokalen Netzbetreiber zusätzlich zur Stromleitung eine Datenleitung zum Kunden und den angeschlossenen Geräten brauchen um Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abstimmen zu können. Auf diese Dienstleistung schielt mittlerweile auch bereits die Telekom, was sie sich aber von den Stromnetzbetreibern teuer bezahlen lässt. Da Stadtwerke ohnehin die Kunden mit verschiedenen Leitungen anbinden, ist es doch naheliegend bei ohnehin anstehenden Arbeiten Glasfaserleitungen einfach mitzuverlegen.

Auch die Firma, die die Landkreisgemeinden zu diesem Thema berät, empfahl in Erding dringend den Eigenausbau mit Glasfaser anzustreben, um das Thema wirklich voranzubringen. Ähnlich argumentiert die Thüga, die Dachorganisation der Stadtwerke und bietet über die Eigenmarke KomDSL Unterstützung bei Projektierung und Ausbau an. Der Dorfner Stadtrat sollte sich deshalb trotz der möglichen Förderung nicht vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen.

Herbert Maier, Stadtrat Erding

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